Archive for Juni 2010


Sweet Sunday

29. Juni 2010 — 5:20am

An diesem Sonntag hatte ich ja eigentlich vor, ganz entspannt in der Sonne zu liegen. Ich wollte am Nachmittag schwimmen gehen. Da ja ein WM-entscheidendes Deutschlandspiel anberaumt war – noch dazu eines der berüchtigten Matches gegen England – war ich mir sich, würden alle Leute in Biergärten, auf Fanmeilen oder vor heimischen Fernsehern sitzen. Und ich, so dacht ich mir, läge ganz alleine auf einer grünen Wiese, am blauen oder grünen Wasser, und würde die Seele baumeln lassen.

Entspannender Balkon

Als ich dann am Sonntag aufstand, begann ich einfach gleich, die Seele baumeln zu lassen: es war herrlich warm auf meinem Balkon, durch die Wohnung streifte eine angenehme Brise und so schnappte ich mir ein großes Glas Eistee (selbstgemacht, mit dem guten PG-Tips aus England und viel leckeren Bio-Zitronen) ein ganzes Viertel Wassermelone und Philip Marlowes Abenteuer mit der kleinen Schwester und legte mich auf meine bisher kaum genutzte Liege auf den Balkon. Inmitten meiner Blumen und dem Sonnenschein und Vogelgezwitscher verließ ich die staubigen Straßen von Bay City in der Welt des Raymond Chandler und begab mich in meine eigene Traumwelt. Continue reading “Sweet Sunday” »

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Junisonne

23. Juni 2010 — 12:21pm

Nonne in der Sonne - makellos, dank Sonnenschutz

Eigentlich sollte dieser Blog ja Juniregen heissen – in Anlehnung an den Mairegen, den ich ja auch schon besungen hatte. Ich wollte über den miesen, viel zu kalten Juni schreiben – und den nervtötenden Dauerregen. Und über die verschiedenen Strategien meiner Freundinnen, damit umzugehen: die eine hat ihre Sonnenliege einfach ins Wohnzimmer gepackt, unter die Leselampe, reichlich Orchideen in der näheren Umgebung aufgestellt und erhascht somit zumindest einen Hauch davon, wie es wäre im Garten in der Sonne zu liegen. Die nächste begeistert sich plötzlich für Fußball und die WM – da kann man sich sooo schön ablenken (??!). Und die dritte weigert sich strikt überhaupt noch über das Wetter zu sprechen. Kann ich verstehen.

Aber: Wunder oh Wunder, ich bin heute aufgewacht und die Sonne schien! Ich bin also raus aus dem Bett und raus auf den Balkon und dort stand ich dann: blinzelnd und beinahe bestürzt im glorreichen Sonnenschein! Nach einem kurzen Zwischenstopp unter der Dusche sitze ich nun vor meinem Lieblingscafé in der Sonne – und muss nun gar nicht mehr über doofes Regenwetter schreiben! Continue reading “Junisonne” »

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“Die Nachbarin von Howard Carpendale” oder “Miss Firefly im Wunderland”

18. Juni 2010 — 5:10am

Internet - "Bin ich noch drin?"

Kennt Ihr den „Buchbinder Wanninger“ von Karl Valentin? Nicht? Das ist tragisch! Denn der „Buchbinder Wanninger“ ist wunderbar komisch und Sinnbild des verzweifelten Kunden, der von a nach b, von b nach  c , von c zu Pontius, von Pontius zu Pilatus, und von Pilatus wieder zurück nach a geschickt wird – und immer noch nicht hat, was er braucht und was ihm zusteht!

Ich hatte kürzlich wieder eine Woche intensiver Buchbinder Wanninger Erlebnisse. Das Zentrum der Ereignisse ist mein Internet-Provider. Diese Firma, vielbesungen von Howard Carpendale, der wohl Tür an Tür mit ihr wohnte, bietet neben Internet und Telefonie auch ein TV-Paket mit einer sogenannten Set-Top-Box, die zugleich als eine Art „Video-Rekorder“ (wird tatsächlich auch in der Anleitung so genannt) fungiert. Tolles Ding, dachte ich, bestelle ich. Kam mit der Post, mit zwei, drei Wochen Verspätung. An einem gemütlichen Sonntagabend habe ich das gute Stück dann installiert – soweit ich eben kam, bis der „Fehler 101“ auftrat und ich gebeten wurde, die Firma zu kontaktieren. Das geht laut meinem Vertrag mit der Firma telefonisch, 24 Stunden am Tag, jeden Tag, und kostet 14 Cent pro Minute. Ich rief also an, wurde nach 8 Minuten in der Warteschleife mit einem menschlichen Wesen verbunden, das sich mein Problem schildern ließ und mich dann an die Technikabteilung weiter verband. Nach nochmaligem Warten im zweistelligen Minutenbereich sprach ich mit einem Techniker, der mir erklärte dass er Techniker der falschen Abteilung sei und ich es doch nochmal am Montag ab 9 Uhr versuchen sollte, dann wären nämlich auch die Techniker für TV-Probleme zu sprechen. Continue reading ““Die Nachbarin von Howard Carpendale” oder “Miss Firefly im Wunderland”” »

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Die Welt dreht sich um Beine

15. Juni 2010 — 1:41am

Schöne Beine

Es ist Sommer, es ist WM – die Welt dreht sich um Beine. Meist geht es ja um die 44 Stück, die, den Schiri nicht mitgerechnet, auf grünem Rasen das Glück ganzer Nationen verteidigen. Aber falls es Euch Mädels so geht wie mir, und Ihr Euch nur begrenzt begeistern könnt für Männer in kurzen Hosen, die einem kleinen runden Ding hinterher hecheln, dann gibt es ja auch andere Beine, um die man sich kümmern kann. So kann man sich auch erfolgreich die Zeit mit Sinnvollem vertreiben, während die Jungs Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche ihr Team zum Sieg anfeuern.

Keine Sorge, Jungs, ich will Euren Frauen keine unmoralischen Vorschläge unterbreiten, für die Zeit, die Ihr im World-Cup-Parallel-Universum verbringt. Im Gegenteil: meine Pläne eignen sich dazu, den Haussegen in dieser Zeit stabil zu halten und Eure WM-Witwen über ihre Einsamkeit gepaart mit schier unausweichlicher Fußball-Penetranz hinweg zu trösten. Denn für Nicht-Fußball-Begeisterte gibt es ja während der WM nicht all zu viele Rückzugsmöglichkeiten. Schön ruhig ist es zum Beispiel auf Friedhöfen. Da kann man sich auf einer sonnigen Bank niederlassen und mit einem Buch und mitgebrachtem Getränk so erfolgreich der stetig wachsenden Community der Public-Viewer entfliehen. Wem das zu morbide erscheint, dem empfehle ich das eigene Badezimmer als Zufluchtsort. Dort kann frau dann nicht nur dem Fußballtrubel entfliehen, sondern sich auch selbst ein wenig verwöhnen. Zum Beispiel so: Continue reading “Die Welt dreht sich um Beine” »

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Sommerloch

11. Juni 2010 — 7:48pm

Schöne neue Welt?

Ich habe ein Sommerloch. Nun, da die Temperaturen endlich verlässlich im zweistelligen Bereich sind – und parallel dazu sofort die 30°-Marke überschritten haben, sitze ich in bzw. vor meinem Lieblingscafé und – es passiert nichts – zumindest in meinem Kopf! Nichts geht mehr, ich verspüre eine – ehrlich gesagt gar nicht mal so unangenehme – Leere im Hirn. So sitze ich hier, starre Löcher in die Luft und schlürfe Kaffee. Vor mir tauchen Bilder auf, von älteren Damen, die in kleinen Seitengassen kleiner Portugiesischer Dörfer auf ihrem Stuhl neben ihrer Eingangstür sitzen und schweigend das Kommen und Gehen in ihren Gassen betrachten. Oder von alten libanesischen Fischern, die im am Hafen im Schatten eines kleinen Tee-Treffs ihre Wasserpfeife blubbern lassen und sich über die Bartstoppeln streifen, während sie den Rauch ausatmen. Der Blick, mit dem sie aus zusammengekniffenen Augen die vorbeieilenden Menschen – Touristen in der Mehrzahl – betrachten schien mir immer zu sagen: „Soso, das ist sie nun, die schöne neue Welt.“ Und wann immer ich als vorbeischlendernder Tourist so einen Blick erhaschte, habe ich mir gewünscht, von ihrer alten, vermeintlich weniger schönen Welt erzählt zu bekommen. Hat selten geklappt.

Nun sitze ich selbst wie einer dieser alten Menschen im Schatten, trinkend, rauchend, streiche mir die Bartstoppeln am nackten Bein und betrachte die Welt um mich herum aus zusammengekniffenen Augen. Denn während sich in mein Hirn das Sommerloch frisst, herrscht um mich herum geschäftiges Treiben. Der Krise und dem Sommerwetter zum Trotz leidet mein Stadtviertel unter rapide fortschreitender Gentrification. Hochmotivierte Kleinbürger, die sich für die Avantgarde der Stadt halten, infiltrieren meine Umgebung, eröffnen Läden mit bunter Mode, die schlecht verarbeitet ist, oder Shops für überflüssige Accessoires, die ihre Coolness daraus ziehen, dass auf jedem Stück „FUCKU…“ draufsteht, oder mit neuen Cafés, die schlechten Service mit schlechtem Kaffee verbinden und verteilen Unmengen an Werbebroschüren in schlechtem Design, die falsch geschrieben sind. Continue reading “Sommerloch” »

Kommentar » | Parfum

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